Kreisschulpflegschaft geht neue Wege - Erwachsene aller Kulturen verdienen die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse aus ihren Heimatländern

 „Immer wieder werden wir in unserer kreis- und landesweiten Elternarbeit mit Hoffnungslosigkeit und viel Verzweiflung konfrontiert. Eltern sind die wichtigsten Vorbilder im Leben eines Kindes. Wie sollen gescheiterte und frustrierte Eltern ihren Kindern erklären, dass Bildung und Ausbildung wichtig für Leben und Existenz sind, wenn ihre eigenen, aus dem Heimatland erworbenen Berufs- und/oder Schulabschlüsse, bei uns in Deutschland keinen Gegenwert und Gültigkeit haben?“
Mit diesen Worten beschreibt die Vorsitzende der Kreisschulpflegschaft Gütersloh e.V. Edith Mathmann, die Situation in vielen Familien mit Migrationshintergrund.  Sie erklärt, dass sich die Kreisschulpflegschaft e.V. mit dem neuen Projekt, „Anerkennung der ausländischen Abschlüsse“, erstmalig nicht nur für die Belange der Eltern einsetzt, sondern hiermit auch für alle Erwachsenen. „Die Belange der Mitbürger mit Migrationshintergrund als Eltern, die sich in unserem Schul- und Bildungssystem nicht zu Recht finden, waren und sind uns ein großes Anliegen. So bedeuten die Belange der zugewanderten Erwachsenen, die selbst noch keine Kinder haben, für uns Arbeit an der Basis.“, so Mathmann weiter. Den eigenen Weg im Leben zu finden, Probleme zu lösen und Herausforderungen zu bewältigen lernt man maßgeblich im Elternhaus. Dementsprechend bilden sich ein individuell geprägtes kindliches Weltbild und eine entwickelte oder eingeschränkte Belastbarkeit, die es im späteren Erwachsenenleben ermöglicht Schwierigkeiten zu meistern oder mit Enttäuschungen umzugehen, aber auch Berufsziele zu erreichen.

Viele Mitbürger mit Migrationshintergrund aus den nicht EU-Ländern, die in ihren Heimatländern einen Beruf gelernt haben oder einen Diplom haben, gelten bei uns offiziell als „bildungsfern“, da es keine gesetzliche Grundlage gab, den Gegenwert ihrer Abschlüsse anerkennen zulassen. So jobben zahlreiche ausgebildete Akademiker in den Arbeitshallen als Produktionshelfer. So geht nicht nur sehr viel Potenzial verloren, so werden aus resignierten Menschen „nicht integrationswillige“ Mitbürger. Schulabschlüsse und/oder Berufsabschlüsse sind Zeugen für die individuellen Zukunftsvisionen,  –ziele und –träume eines Menschen. Nichtanerkennung dieser Abschlüsse kann für Betroffene nur eine wehmütige Erinnerung an diesem Lebensabschnitt bedeuten. Daraus kann u.U. eine existenzielle Frage werden, und zwar dann, wenn sie ihre eigenen Kinder zu besseren Leistungen in der Schule und Beruf motivieren sollen. Die Frage, was denn der Vater/ die Mutter von den ganzen Anstrengungen letztendlich hat, erstickt jede Kommunikation in diese Richtung.

„Wir möchten Menschen in der Gesellschaft helfen die berufliche Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse  zu erreichen und aktiv eine Lebensperspektive aufzubauen. Jeder Mensch verdient eine menschenwürdige Beachtung und Begegnung. Über die aktuell  konstruktive Gesprächsebene mit der IHK haben wir viel erreicht. Gemeinsam können wir jetzt Eltern und Erwachsene über die neuen gesetzlichen Grundlagen und einen Ausweg aus der Resignation informieren.“, erklärt Edith Mathmann.

Herr Atilla Sepsi, von der IHK Bielefeld betonte gegenüber der KSGT e.V., dass es seit 2012 das neue Anerkennungsgesetz und neue Prüfungsgrundlagen zur Ermittlung des Gegenwertes und Anerkennung aller ausländischen schulischen und beruflichen Abschlüsse gibt. Somit wäre es seitdem möglich alle Abschlüsse anerkennen zu lassen, egal aus welchem Land. Voraussetzung sei natürlich die Anerkennung dieser Abschlüsse in den Heimatländern selbst.
 

In naher Zukunft plant die Kreisschulpflegschaft e.V. eine Informationsveranstaltung über die Anerkennung der ausländischen Abschlüsse. Nähere Informationen und auch Informationen über die weiteren Aktivitäten der Kreisschulpflegschaft e.V. können Sie auch über ihre Homepage: ksgt.de oder über Facebook: Kreisschulpflegschaft Gütersloh e.V. verfolgen. Nachfolgend erhalten Sie die mehrsprachigen Informatiosflyer "Anerkennung". Bild von links: Atilla Sepsi (Berufliche Bildung, Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld), Edith Mathmann (Vorsitzende Kreisschulpflegschaft Gütersloh), Fatma Yüksel (Vorstandsmitglied Kreisschulpflegschaft Gütersloh)

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